125 Jahre Chorgesang in einem relativ kleinen Dorf, wie Wolferborn, zeugt von einem Willen, unser größtes Kulturgut, das Singen in einem Laienchor, zu pflegen und weiterzutragen. Es haben sich über diese Zeitspanne immer wieder Männer - und neuerdings auch Frauen - gefunden, denen dieses Ziel höchste Ehrensache war und die diesen Verein mit Leben erfüllt haben.
Unser Ziel war und ist es, gutes altes Liedgut zu erhalten, aber auch zeitgenössische Literatur in unseren modernen Zeiten zu entfalten. Wir wollen unseren kulturellen Beitrag dazu leisten.
Wir können mit Stolz und Dank auf unsere Vorgänger zurückblicken, die mit ihrem Eifer und Einsatz dazu beigetragen haben, dass wir inzwischen unser 125 jähriges Jubiläum feiern können.
Wir hoffen, dass unsere Aktivitäten die erforderliche Anerkennung bei unseren Mitbürgern findet. Wir würden uns wünschen, das unser Enthusiasmus und unsere Begeisterung für das Singen auf mehr jüngere Sänger überspringt, damit wir auch in Zukunft noch singfähig bleiben.
Und wir sind sicher, wir sind auf dem richtigen Weg mit der Gründung unseres Nachwuchs-Chores "New Inspiration", der sich in den fünf Jahren seines Bestehens einen hervorragenden Ruf erarbeitet bzw. ersungen hat. Wenn der MGV 1884 Wolferborn e.V. weiter überleben soll, dürfen wir vor neuen Wegen und Liedern nicht zurückschrecken.
Wir werden alle Kraft einsetzen und vor allem unsere Jugend vom Wert des Liedes und des Singens versuchen zu überzeugen, dann gelingt uns dies bestimmt. Denn gemeinsam gesungene Lieder bereiten Freude und Entspannung von der Hast des Alltags.


Der Gründer: Lehrer Philipp Andreas Bäcker

Gründung und Werdegang des Männergesangvereins Wolferborn

Aus der Festzeitschrift zum 100-jährigen Bestehen des MGV 1884 Wolferborn e.V.


Unter dem symbolhaften Kranz der immergrünen Myrte eines jungen Paares wurde der Gesangverein Wolferborn geboren, denn der Anlaß seiner Gründung war ein fröhlicher Hochzeitstag am 28. November des Jahres 1884. Der am 5. 4.1859 in Wetzlos geborene Lehrer Philipp Andreas Bäcker war damals schon etliche Jahre an der hiesigen Schule tätig und so war es nicht verwunderlich, daß er sich in dem Dorfe seiner Wirkungsstätte eine junge Frau erkor, mit der er sich an jenem Tage verehelichte. Nach alter ländlicher Sitte versammelte sich an jenem Abend die männliche Jugend des Dorfes im Bauernhofe des Hauses Nr. 4 und bezeugte ihre Anteilnahme an diesem Familienfest mit den besten Glückwünschen und einigen jugendfrohen Volksliedern. So war es schon immer Brauch gewesen. In seiner dankbaren Ansprache an die Dorfjugend brachte der Bräutigam seine Bewunderung über den schönen Gesang zum Ausdruck, der unter fachlicher Leitung eine beachtliche Vollkommenheit erreichen dürfte. Auf Grund dieser Erwägungen dürfte es angebracht sein, das deutsche Lied in einem Männerchor zu pflegen und zu fördern. Sollten die jungen Männer des Dorfes ein Interesse daran haben, sich in einem Gesangverein zusammenzuschließen, so wäre er bereit, den Dirigentenstab zu führen.
Wenige Tage später war der Männergesangverein Wolferborn geboren. Seine Wiege stand in der Volksschule zu Wolferborn. Bei sorgsamer Pflege und kraftstrotzender Gesundheit wuchs er sehr schnell aus den Kinderschuhen heraus. Im Alter von vier Jahren war sein Bestand schon derart gefestigt, daß er sich eine Vereinsfahne erstand. Über so manchem offenen Grabe senkte sich diese Fahne in den langen Jahren und winkte dem Schläfer zur letzten Ruhe. Aber sie war auch Wegbegleiterin auf vielen frohen Festen und überall da, wo es galt, in ehrenvollem Gesangswettstreit den Verein zu vertreten.
Nachdem der Gründer des Vereins an eine LehrersteIle in Frankfurt am Main versetzt war, leiteten verschiedene junge Lehrer den Chorgesang des Vereins bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges. Länger als vier Jahre ruhte nunmehr das Vereinsleben vollkommen. Im Jahre 1919 lebte die Vereinstätigkeit wieder auf. Der junge Musikmeister Johannes Spielmann von hier griff zum Dirigentenstab. Mit kurzen Unterbrechungen leitete er den Chorgesang mit Fleiß und Hingabe bis zum Jahre 1929.
Der Chormeister Heinrich Nagel von Vonhausen übernahm sodann die Führung bis kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Dann wechselte der Dirigentenstab in die Hände des Musik- und Chormeisters Heinrich Kehm über, der ein Sohn unseres Dorfes ist. Nachdem auch im zweiten Weltkrieg die Tätigkeit des Vereins ruhte, übernahm er nach dessen Beendigung sofort wieder die aktive Führung und führte den Verein mit großen Erfolgen bis Ende 1960.


Programm des 1. Nachkriegskonzertes am 30. Mai 1948
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Von 1961 an übernahm der sehr talentierte Lehrer und Organist Siegward Rocholl aus Büdingen die musikalische Leitung des Vereins. Ein neuer großartiger Aufschwung wurde jäh unterbrochen als Herr Rocholl im Oktober 1975 bei einem Autounfall so schwer verletzt wurde, daß er seitdem querschnittgelähmt und auf ständige pflegerische Hilfe angewiesen war.
Nun übernahm ein alter Freund, Wilhelm Rausch aus Büdingen, zunächst vertretungsweise und später nach wunderbaren Erfolgen, die ständige Leitung des Vereins.
Ihm und all seinen Vorgängern ist es zu danken, daß der Verein voller Stolz auf nunmehr 100 Jahre fruchtbare und erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann.
Hundert Jahre ist der Verein nun seinen geraden Weg gegangen. In seiner sich immer wieder verjüngenden Kraft blieb er seinen Idealen treu. Aus dem unerschöpflichen Kraftquell deutscher Volks- und Heimatlieder entnahm er die Kräfte seiner eigenen Erhaltung und Verbundenheit und wurde darüber hinaus zum unverfälschten Träger von Brauch, Sitte und Kultur in seiner Heimatgemeinde. An diesen unveräußerlichen und unumstößlichen Werten weiter zu arbeiten, möge ihm auch fernerhin vornehmste Pflicht und Aufgabe sein.
Der vorliegende ortsgeschichtliche Bericht wurde der Festschrift zum 75jährigen Jubiläum des Männergesangvereins 1884 Wolferborn entnommen.
Die Genehmigung dazu wurde uns dankenswerterweise von der Tochter des Chronisten Konrad Appel, Frau Anneliese Peters, erteilt.
Die Entwicklung der 25 Jahre von 1959 bis 1984 wurde dem Bericht von Herrn Wilhelm Landmann in sinnvoller Weise eingefügt.

Die Jahre ab 1984:

Mit einem großen Sängerfest wurde das 100-jährige Bestehen des Männergesangvereins vom 17. bis 21. Mai 1984 gefeiert.


Festprogramm des Sängerfestes im Mai 1984
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Bereits ein Jahr nach dem großartigen Fest zum 100-jährigen Bestehen übernahm krankheitsbedingt Kurt Schmidt aus Bleichenbach die Chorleitung. Die geplante Konzertreise nach Schwaz in Österreich war quasi die "Feuertaufe" für ihn und uns. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten (was bei einem Wechsel des Chorleiters nichts Außergewöhnliches ist), feierten wir auch mit Kurt Schmidt große Erfolge bei Liederabenden, aber auch bei Wettstreiten. Die Sänger waren aber auch bei den vielen öffentlichen Tanzveranstaltungen in der Seemenbachhalle als Helfer gefragt. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Durchführung der Zeltkirmes im Jahre 1991 mit den europaweit bekannten "Zillertaler Schürzenjäger".

Nach sechs Jahren mußten wir uns (wieder) nach einem neuen Chorleiter umschauen und wurden mit Wolfgang Häfner aus Langenselbold schnell einig. Mit seiner hervorragenden Tenorstimme brachte uns Wolfgang Häfner ganz neue Töne bei. Aufgrund seiner guten Verbindung zu Winfried Siegler und dessen Fäden zur Chorszene waren jetzt mehrere Konzerte angesagt. Unvergeßlich und für die Nachwelt auf Tonträger festgehalten war das GALA-Konzerte mit der Singgruppe der Landfrauen aus Wolferborn und dem gemischten Chor aus Lorbach anläßlich des 115-jährigen Bestehens unseres Chores (siehe auch unter "Repertoire"). Weitere Solisten waren Daniela Zanger (Sopran), Herbert Häfner (Baß) und Winfried Siegler am Piano. Im gleichen Jahr (1999) wurden erstmals zwei (gleichberechtigte) Vorsitzende von der Jahreshauptversammlung gewählt. Dieses Konzept hat sich bis heute bewährt und wurde von anderen Vereinen übernommen.
Nachdem man erkannt hatte, dass man hinsichtlich des Fortbestandes des Vereines neue Wege gehen muß, wurde 2003 ein Projektchor für moderne Chorliteratur ins Leben gerufen. Das 120-jährige Bestehen im Jahre 2004 wurde zum Anlaß genommen, diesen "jungen Chor" im Rahmen eines "Musikfestivals für junge Chöre" der Öffentlichkeit zu präsentieren. Hieraus ist der unter den Fittichen des Männergesangvereins angesiedelte Chor "New Inspiration" entstanden. Ein Großer Bunten Abend mit Geschichten & Liedern rund um den Äppelwoi mit Michaele Scherenberg und Karl-Heinz Stier (beide vom Hessischen Rundfunk) war ein weiteres großes Event zum 120-jährigen Bestehen. Mit einer musikalischen Reise durch Europa (Europamelodien) wurde die Konzertreihe in 2007 vom Männerchor erfolgreich fortgeführt, während der Nachwuchschor im gleichen Jahr sein vielbeachtetes erstes Konzert mit dem Titel "Spirit of Inspiration" gab.

Im Herbst 2008 verließ uns überraschend unser Chorleiter Wolfgang Häfner. Nach einer kurzen Übergangphase (Vize-Chorleiter Helmut Roth übernahm die wöchentlichen Chorproben) übernahm zum 1. Januar 2009 der Chorleiter von New Inspiration Michael Habermann auch die musikalische Leitung des Männerchores. Höhepunkte in dieser Zusammenarbeit waren neben den gesanglichen Rundgängen in der Adventszeit verschiedene Auftritte bei befreundeten Chören, die verschiedenen Veranstaltungen zum 125-jährigen Bestehen sowie ein großartiges Weihnachtskonzert zum Abschluß der Jubiläumsfeierlichkeiten mit rund 100 Sängerinnen und Sängern aus Wolferborn. Nach etwas mehr als zwei Jahren trennten sich die Wege von M. Habermann und unserem Männerchor. Kurz darauf wurde auch die Zusammenarbeit mit M. Habermann seitens New Inspiration beendet.

Unsere Chorleiter im Überblick:

Von - Bis
Name, Vorname
Beruf
Wohnort
1884 - ???? Philipp Andreas Bäcker Lehrer Wolferborn
1919 - 1929 Johannes Spielmann Musikmeister  
1930 - 1935 Heinrich Nagel Chormeister Vonhausen
1936 - 1960 Heinrich Kehm Musik- und Chormeister, Textilhändler Wolferborn
1961 - 1975 Siegward Rocholl Lehrer und Organist Büdingen
1975 - 1985 Wilhelm Rausch   Büdingen
1986 - 1992 Kurt Schmidt   Bleichenbach
14.01.93 - 29.09.08 Wolfgang Häfner Chordirektor Langenselbold
06.10.08 - 31.12.08 Helmut Roth (Vize) Bankfachwirt Wolferborn
Jan.2009-Febr. 2011 Michael Habermann Musiker, Dirigent Gründau/Breitenborn
März 2011 Helmut Roth Rentner Wolferborn
       

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Philipp Andreas Bäcker Heinrich Kehm Siegward Rocholl Wilhelm Rausch
von links nach rechts: Philipp Andreas Bäcker, Heinrich Kehm, Siegward Rocholl, Wilhelm Rausch

Kurt Schmidt Wolfgang Häfner Michael Habermann Helmut Roth
von links nach rechts: Kurt Schmidt, Wolfgang Häfner, Michael Habermann, Helmut Roth

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